A-Klasse

A-KlasseIn meiner Familie fährt eine ältere Dame einen A-Klasse Mercedes. Und zwar ein Modell der ersten A-Klasse. Das Auto ist mittlerweile 10 Jahre alt und hat sich gut gehalten. Das Besondere an diesem Auto ist die schwache Motorisierung (A140 1,4 Liter Ottomotor, 84 PS) zusammen mit einer Automatik. Doch das kleine Auto schlägt sich wacker. Spitze 165km/h – Beschleunigung – naja.

Vergangene Woche flog ich nach Düsseldorf und da erhielt ich am Flughafen eine neue A-Klasse mit 1.100 km auf dem Tacho als Leihwagen. Es war der Nachfolger des o.g. Wagens. A160 95PS mit Automatik, Klimaanlage, Navi und Abstandssensoren.

Dieses Auto ist auf den ersten Blick ein echter Mercedes. Satt, fett (obwohl er so klein ist), elegant und innerlich solide. Alles fühlt sich wie Mercedes an und ist auch Mercedes. Nichts klappert oder vibriert. Alle Schalter liegen satt in der Hand.

Auch dieses Auto hat – wie der Renault Megane – einen Speed Limiter. Doch er lässt sich leider nur im 10km/h Raster einstellen. Wenn man nun die Tachodifferenz (in der Regel ja 3 bis 5 km/h) ausnutzen will, dann schafft man das mit diesem Limiter leider nicht. Aber egal. Toll, dass er da ist.

Das Navi ist auch nicht schlecht. Es meldet sich deutlich über die Stereoanlage des Wagens. Auch mein Mobiltelefon war ruck-zuck per Bluetooth an die Freisprecheinrichtung gekoppelt. Aber wie beim Limiter bleibt der Mercedes auch in diesen Disziplinen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das Navi hat keinen Touch Screen, sondern man muss mit umständlichen Pfeiltasten jeden Buchstaben des Zielorts eintippen. Ähnlich blöde und langsam wie bei BMW. Auch die Kartendarstellung des Navis lässt zu wünschen übrig. Man kann immer nur eine Kreuzung sehen. Eine markierte Route, soweit der Bildschirm reicht, bringt das Teil nicht fertig. Und was mich dann auch gestört hat: Wenn ich schon eine Blauzahn-Verbindung mit meinem Mobiltelefon habe, warum kann die Stereoanlage meine gespeicherten Musiktitel nicht abspielen?

Manches Mal habe ich beide Navis (eingebaut und Handy) gleichzeitig verwendet. Denkt man das zu Ende, so kommt man hier raus Lachen

Die Sitze sind, wie so typisch für ein deutsches Auto, auf der Oberfläche erneut zu hart. Aber Fahrer und Beifahrer haben eine Lordosenstütze. Damit habe ich mich auch bei längeren Strecken sehr wohl gefühlt. Das straffe Fahrwerk ist überraschend komfortabel. Zwar spürt und hört man jeden Kanaldeckel, doch die Stöße kommen nicht wirklich durch. Selbst die Hinterachse - meist stiefmütterlich bei kleineren Autos behandelt - ist sehr gut. Nichts von Poltern zu spüren. Und hinten ist selbst für große Personen Platz. Der Wagen ist halt hoch und man sitzt ziemlich aufrecht. Das ist das Geheimnis dieser modernen ‘großen’ Kleinwagen.

Doch nun zum eigentlichen Zweck eines solchen Automobils. Der Mobilität. Und hier muss der Mercedes leider ein paar Negativpunkte einstreichen. Der Motor mit der 7-Gang-Automatik ist zu drehmomentschwach. Oder der Wagen ist mit 1.400 kg zu schwer. Jedenfalls bringt er nur spärlichen Vortrieb. Vielleicht werde ich ja zum Dieselfreund. Denn die vier in der jüngeren Vergangenheit gefahrenen Mietwagen hatten allesamt Dieselmotoren. Und die zogen schon anders an. Nicht, dass diese A-Klasse die Leistung nicht gebracht hätte. Wenn aber das Motörchen mehr als 4.500 Umdrehungen pro Minute drehte, dann wurde es richtig laut und anstrengend. Nichts mit der für Mercedes so typischen Überlegenheit, Ruhe oder Kraft.

Und der Verbrauch? Als ich einstieg, stand der durchschnittliche Verbrauch lt. Anzeige des Bordcomputers auf 7,5 Litern. Und auch meine Verbrauchsmessung ergab – zugegeben bei nur einer dreiviertel Tankfüllung – ebenfalls 7,5 Liter. Und das bei einer permanenten Nutzung der Klimaanlage. Doch auch hier wieder ein Wermutstropfen. Bei 31 Grad Außentemperatur schafft es die Klimaanlage eigentlich nicht mehr wirklich, den Wagen in vernünftigen Zeiten angenehm temperiert zu bekommen. Man muss schon mit einem lärmenden Gebläse auf Stufe 5 für 15min die Klimaanlage bemühen, bis der akute Schweißausbruch nachlässt. Da gibt sich selbst unser mehr als 10 Jahre alte Toyota (1,6 Liter Motor, größerer Innenraum, höhere Höchstgeschwindigkeit) aber viel unangestrengter. Und auch der Lärmpegel des Gebläses ist deutlich niedriger.

Fazit: Der kleine Mercedes sieht zwar aus wie ein Mercedes, er ist aber nicht wirklich einer. Überall merkt man dem Wagen an, dass er es eigentlich besser könnte. Der Speed-Limiter, das Navi, die Handykopplung, die Klimaanlage, der Motor. Die Ansätze sind richtig gut, aber der Wagen kommt halt immer nur als zweiter ins Ziel. Man kennt bessere. Deshalb gibt es als Schulnote auch nur eine zwei bis drei. Eigentlich schade denn ich weiß, dass Mercedes das besser kann.

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