Rauchzeichen in Seeshaupt

Rauchzeichen

Seeshaupt ist schon ein gefährliches Pflaster. Vor Jahren habe ich hier einmal über einen Überfall berichtet.

Gestern war es dann wieder soweit. Vor dem Mittagessen hörten wir das Martinshorn richtig oft und laut. Kein gutes Zeichen. Das war auf jeden Fall mehr, als nur ein einfacher Verkehrsunfall oder Raubüberfall. Was konnte es sonst sein?

Als ich dann zum Mittagessen nach Hause fuhr, stand an der Kreuzung zum Gewerbegebiet, in dem unsere Halle steht, schon ein Polizeiwagen mit Blaulicht und leitete den Verkehr um. Ein kurzer Blick ortsauswärts zeigte eine große Rauchsäule über dem Wald. Etwa in der Richtung, in der das Haus eines Freundes steht. Zu Hause angekommen rief ich ihn sofort an, um mich zu vergewissern, dass es ihn nicht erwischt hätte. Glücklicherweise ging er ran. Sein Haus konnte also nicht abgebrannt sein.

Was er mir aber erzählte, raubte mir die Fassung. Es brannte das Seeshaupter Sägewerk. Und dieses Sägewerk gehört einem Bekannten von uns. Nicht wirklich nah bekannt. Aber man kennt und schätzt sich im kleinen Ort. Und wie der Teufel es so will, ging bei diesem Brand eine Menge schief.

So wehte (wie damals bei Heaven Hill) ein recht strammer Ostwind. Und das Sägewerk liegt in einer Lichtung in einem Waldstück. Glück im Unglück! Der Wind wehte so, dass die Funken über den größeren Teil der Lichtung wehten und nicht direkt in den trockenen Wald. Aber der Wind fachte das Feuer richtig an und bis die Feuerwehren (auch aus den Nachbarorten) da waren, war schon nichts mehr zu retten. Alles brannte lichterloh.

Mein Freund war als Katastrophen-Tourist unterwegs und fuhr mit dem Fahrrad zur Brandstelle. Er kam nach der Polizei aber noch vor der Feuerwehr an. Eine große Halle lichterloh brennen zu sehen belastet einen schon sehr. Nach kurzer Zeit konnte er es nicht mehr ertragen und da er eh nicht helfen konnte und nur im Weg rumstand, hat er sich bald wieder auf die Socken gemacht. Doch das schlimmste war, dass bei uns die nahegelegenen Löschweiher zugefroren sind und auch die in den Boden eingelassenen Hydranten wegen des heftigen Frosts sich nicht öffnen ließen. Die Feuerwehr konnte damit die Holzhalle (womit baut ein Sägewerk wohl seine Halle?) nicht wirklich löschen sondern nur ein Übergreifen des Feuers auf kleine andere Gebäude in der unmittelbaren Nähe verhindern. Und damit war klar, warum wir so oft das Martinshorn hörten. Es waren die Feuerwehren, die zur Pumpstation fuhren, um ihre Tanks wieder aufzufüllen.

Ein Trauerspiel Traurig

Am Ende machte noch ein weitere Hiobsbotschaft die Runde. Keine Ahnung ob das wahr ist. Der Sägewerker und die Untermieter sollen ‘angeblich’ nicht versichert gewesen sein. Ob das wahr ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Oft wird in solchen Situationen eine Menge Schwachfug kommuniziert. Doch seit 1994 die Versicherungspflicht abgeschafft wurde, könnte es durchaus sein, dass nicht nur die Einrichtung sondern auch das Gebäude nicht versichert waren.

Von diesem potentiellen Hiobsfall einmal abgesehen, habe ich mich natürlich selbst gefragt, ob alles mit meinem Versicherungsschutz in Ordnung ist. Sie kennen mich ja als Jemanden, der nicht viel von Versicherungen auf Grund der extremen Kostenbelastung durch die Verwaltung hält. Doch immer wenn ein Verlust mich um meine Existenz berauben würde, dann habe ich natürlich eine Versicherung. Somit ist die Halle von The Whisky Store gegen Feuer, Sturm und Hagel versichert und das Warenlager ebenfalls. Die Einrichtung wie Möbel, Computer, Regale - ja auch die Lagerprinzessin - haben wir nicht versichert. Deren Wert ist im Vergleich zu den dafür zu bezahlenden Gebühren einfach zu gering. Da lassen wir es darauf ankommen.

Ohne Risiko - kein Gewinn. Zu viel Risiko - gar kein Gewinn.

Update: Hier gibt es einen Link auf eine Fotostrecke. Ging alles unheimlich schnell.

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