Gimmicks und Animationen
Schon öfter habe ich mich hier über die lahme Betriebssystemsoftware unserer Arbeitsplatz PCs ausgelassen ( Stichwort: Systemwatte ). Mit jeder neuen Betriebssystem-Version wird der Kasten auf oder unter unserem Schreibtisch langsamer.
Vor 25 Jahren, als die Arbeitsplatzrechner das erste Mal schneller wurden, veränderte sich auch die Anzeige am Bildschirm. Arbeitete man mit einer zeichenbasierten Textverarbeitung, so musste man beim Blättern zusehen, wie die Buchstaben, einer nach dem anderen, auf dem Bildschirm erschienen. Da konnte es schon einmal etwas länger dauern, bis der Bildschirm wieder komplett war und man weiter schreiben konnte. Der Bildschirm bestand früher aus einer Braun’schen Röhre. Ein Elektronenstrahl wanderte über die mit Phosphor beschichtete Oberfläche und brachte die Beschichtung dort, wo er Zeile für Zeile auf traf, zu leuchten. Wenn der Elektronenstrahl unten rechts in der Ecke angekommen war, dann schaltete die Elektronik den Strahl aus und positionierte ihn in ein paar Millisekunden später wieder oben links und das Anzeigen des Bildes begann von neuem.
Und als nun die PCs schneller wurden, schaffte man es auf einmal, den Inhalt des Bildschirmspeichers komplett zu ersetzen, während der Strahl aus war und auf die Anfangsposition positioniert wurde. Das Resultat war toll. Wie von Geisterhand erschienen einzelne Bildschirmseiten vollständig auf dem Bildschirm. Kein Warten mehr auf den Bildaufbau. Zack – und das neue Bild war sichtbar.
Das erste, was ich deshalb bei den ganzen Windowsprogrammen, beginnend bei V1.1 über 3.11 bis zu Windows XP gemacht habe, war das Deaktivieren des ganzen Zeit und Rechenleistung fressenden Firlefanzes bei der Fenstersteuerung. Keine Schatten, keine Animationen, nix. Wenn ich auf einen Menüpunkt drücke, dann soll das neue Menü als Ganzes so schnell wie möglich auf dem Bildschirm erscheinen.
Warum ein paar neue Rahmen zeichnen und dann das Fenster aufzoomen? Dazu Schatten und allerlei zusätzliche Gimmicks. Um heute ein simples Fenster auf einem Windows (oder Mac) PC zu öffnen, braucht man schon eine animierende 3D Grafikkarte mit mindestens 256MB hoch getaktetem Grafikspeicher. Besonders die Hersteller des Macs haben von Anfang an sehr viel Wert auf diese Animationen gelegt.
Seit ein paar Monaten habe ich jetzt meinen Windows 7 PC am laufen. Und bei diesem neuesten System aus dem Hause ‘Winzigweich’ (Microsoft) hat man ganz tief in die Trickkiste gegriffen. Durchscheinende Bildschirmrahmen, sich herein drehende und gleichzeitig zoomende Fenster mit Schattenverläufen verlangen alles, was eine moderne Grafikkarte so anzubieten hat.
Ich will gerne zugeben, dass auch diese Animationen auf mich einen gewissen Reiz ausüben. Doch der Arbeitsgeschwindigkeit sind sie nicht zuträglich. Auch an diesem PC fühle ich mich vom Betriebssystem ausgebremst.
Noch habe ich diese Trickkiste nicht ausgeschaltet, denn ich erkenne durchaus auch ein paar Vorteile dieser Gimmicks. Durchscheinende Fensterrahmen erlauben eine rudimentäre Orientierung auf der riesigen, kombinierten Bildschimfläche (4800 x 1600 Pixel) und die Vorschaufunktion auf noch geschlossene Fenster verhindert Fehlklicks und beschleunigt so am Ende doch das Arbeiten.
Vielleicht hat es Microsoft nach 30 Jahren Entwicklung endlich geschafft, mit ihrem Fenstersystem nicht nur den Spieltrieb des Anwenders zu befriedigen, sondern uns auch tatsächlich endlich einmal arbeitstechnischen Mehrwert zu verschaffen. Noch bin ich mir aber nicht sicher.
Bis auf Weiteres bleibt deshalb der ganze Schnick-Schnack auf meinem PC an.