Killerapplikationen

Wissen Sie, was eine Killerapplikation ist Frage

Mit diesem Begriff beschreibt die Betriebswirtschaft eine Software (Computerprogramm), die eine gegebene Hardware (Computer) maximal ausnutzt und so die Existenz dieser Hardware sichert. Das gilt jetzt nicht nur für Computer, sondern z.B. auch für Mobiltelefone. So war z.B. immer die Frage, was für eine Applikation würde den Betrieb von UMTS, dem schnellen, mobilen Datenübertragungsstandard, sichern. Anfangs gab es diese Applikation nicht. Breitflächig wollte Niemand für UMTS bezahlen. Besonders für das viele Geld, was die Telcos dafür haben wollten.

Mittlerweile ist das anders. Die Einführung der praktischen UMTS-USB-Sticks erschließt das schnelle Internet für die Laptops. Man braucht keine großen UMTS-Modems mehr, sondern ein schnell gekaufter USB-Stick für ein paar Zig-Euro erlaubt einem das grenzenlose, mobile Surfen in der Stadt. Doch der Vergleich der Killerapplikation trifft hier nicht ganz. Denn es sind viele Programm auf dem Laptop, die die Existenz von UMTS heute sichern. Wenn es eine Applikation gibt, die diesen Begriff am meisten verdient, dann ist es wohl die E-Mail, die mit UMTS jetzt mobil geworden ist.

Für mich ist dieser Begriff Killerapplikation etwas fremd. Und wenn ich diese Worte höre, dann denke ich vor allem daran, dass eine Applikation etwas anderes killt (also tötet). Und von diesen (meinen) Killerapplikationen sind mir in den vergangenen Monaten genau zwei Stück über den Weg gelaufen. Halt falsch - drei. Die Dritte bereits vor vier Jahren.

Damals saß ich in Boston auf dem Flugplatz und fand in einem Magazin die Idee des Jahrhunderts. Jedes Gerät mit einem WLAN-Anschluss kann auch als kleiner Hotspot betrieben werden. Rund um ein Smartphone, PDA, Netbook, Laptop, mobilen Computer, stationären Computer, Drucker, etc. befindet sich ein WLAN-Feld, das bis zu 100 Meter weit reicht. Wenn man mit offener Systemsteuerung auf seinem Laptop oder PDA durch eine Stadt, aber auch über Land fährt, dann kann man die verschiedenen WLANs auf dem Bildschirm erscheinen und wieder verschwinden sehen. Würde man die Mobiltelefone ebenfalls sehen, dann würde in der Großstadt der Bildschirm überquellen. Man merkt das ja schon mit dem sich immer stärker verbreitenden Bluetooth. Hat man die Suche auf seinem Handy oder Autoradio offen, so sieht man ständig andere Geräte.

Mobilfunknetze haben stationäre Zellen. Halt Empfangsbereiche um die Sendemasten. Dagegen hat das Satellitentelefonsystem bewegte Zellen (eben die Satelliten). Bzw. gleichzeitig bewegte Zellen und bewegte Teilnehmer. Würde man nun jedes bewegte Gerät auch für die Vermittlung freischalten, dann hätte man ein Funknetz mit mehreren Millionen Zellen allein in Deutschland und Milliarden Zellen auf der Welt. Jeder würde einen zufälligen Weg über die verschiedensten Zellen zu jedem anderen finden. Mobilfunkmasten bräuchte man nicht mehr. Und auch keine Mobilfunkgesellschaften Ausrufezeichen lol

Diese Freischaltung wäre die ultimative Killerapplikation für alle Mobilfunkgesellschaften. Und hier meine ich Killer im wahrsten Sinne des Wortes. Doch die Mobilfunkgesellschaften haben vorgesorgt. Über Mobilfunknetze sind keine VoIP-Telefonate zulässig. Damit hat man den Start eines solchen Systems, bis es flächendeckend würde, gleich abgewürgt. Wäre ja noch schöner, wenn man mit Mobiltelefonen kein Geld mehr verdienen könnte. Doch Google will in den USA Mobilfunkprovider werden und ein kostenloses Mobilfunknetz anbieten. Oh … da kommt etwas auf uns zu.

Die zweite aber nun real existierende Killerapplikation tauchte Ende des vergangenen Jahres auf. Google gab das Erscheinen einer kostenlosen Navigationssoftware bekannt. Eigentlich war mit Google Maps bereits alles vorhanden. Daheim am PC konnte man schon sehr lange seine Routen planen. Doch für unterwegs fehlte die Navigation mit der Fahrtrichtungsansage. Die Anzeige der Position in Google Maps gab es mit GPS dagegen schon länger. Jedes Smartphone mit GPS kann auf Google Maps seine Position anzeigen. Mit dem Erscheinen von Android, dem freien Betriebssystem von Google für Smartphones, braucht man nun kein Navi mehr. Das Handy reicht völlig aus. Auch ich habe auf meinem Smartphone (allerdings noch für richtig Geld) eine tolle Navisoftware installiert. Alle anderen Navis können mir gestohlen bleiben. Diese Goldgräberzeiten bei der Navigationssoftware sind nun vorbei. Es gibt sie kostenlos und Google gehört nicht zu den schlechten Vertretern der Hersteller. Die bisherigen Navi-Produzenten dürfen sich warm anziehen. Leicht wird es nicht mehr, Geld mit Navis zu verdienen. Zusatznutzen muss man nun bieten.

Auch hier nenne ich diese Google-Applikation einen echten Killer.

Die letzte dieser Killerapplikationen habe ich bei der Installation unserer neuen Windows 7 PCs kennen gelernt. Sie existiert wohl schon ein Weilchen. Aber irgendwie ging sie bislang an mir vorbei. Es geht um Bezahlsoftware, die sich so gut wie auf jedem PC befindet. Und zwar den Virenscanner. Hier wurde im vergangenen Jahrzehnt richtig Geld gemacht. Man war da gar nicht zimperlich. 40 Euro mal ein paar Zig Millionen PCs war schon ein Geld, das auf der Straße lag.

Zugegeben, in den vergangenen Jahren tauchten vermehrt kostenlose Versionen für Privatnutzer mit reduziertem Funktionsumfang auf. Doch schon in so kleinen Unternehmen wie The Whisky Store wurden jährlich Hunderte von Euros an Lizenzen für Server und Client-Computer fällig. Und nun hat Microsoft den Vogel abgeschossen und bietet das Security Essentials Programm komplett kostenlos für Windows XP, Vista und Windows 7 sowohl für 32 als auch 64bit Systeme an. Ich habe es installiert. Integriert sich hervorragend. Lädt neue Signaturen etc. hervorragend herunter, braucht wenig Leistung und hat sogar bei der Erkennung von Viren in der Fachpresse genauso gute Wertungen wie die anderen Programme erhalten.

Das nenne ich eine Killerapplikation.

Und hier sieht man die (wirtschaftliche) Gefahr der heutigen Welt. Man kann gar nicht mehr sicher sein, dass seine eigenen Investitionen geschützt sind. Kommt ein Großer auf die Idee, ein Produkt (bevorzugt elektronischer Natur) kostenfrei abzugeben, so ist es um die bisherigen Hersteller geschehen. Heute geht es nicht mehr um Dumpingangebote wie damals bei den Videorecordern, um Konkurrenten auszubremsen und langfristig von Markt zu drängen.

Nein, heute ist die Welt digital. Heute noch Riesengewinne und morgen schon gar nichts mehr. Wenn der Killer auf Sie anlegt, ist es um Sie geschehen.

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