Macallan 30 Jahre Fine Oak

MacallanGestern Nachmittag fand ein großes Tasting für die Belegschaft des The Whisky Store statt. Es gab Highland Park, Macallan und Laphroaig zu verkosten. Vom Letzteren auch die neue Fassstärke mit 57,8 Vol.%. Doch das ist eine andere Geschichte.

Mein großes Interesse galt dem Macallan Fine Oak. Ich hatte zwar auf Messen schon in das eine oder andere Glas gerochen, aber so richtig in neutraler Atmosphäre habe ich die reiferen Macallan in der Fine Oak Serie noch nie probiert. Es gab die 12-, 18- und 30-Jährigen zu verkosten.

Den 12-jährigen Fine Oak kannte ich bereits. Ein ehrlicher, fruchtiger gerader Speyside Single Malt. Ehrlich, gerade, elegant. Trinkt man gerne. Hat am Ende eine schöne Süße.

Der 18-jährige Fine Oak war die reinste Offenbarung. Soviel Frucht, gepaart mit der Würze des Holzes findet man ganz selten. Wir waren ganz begeistert von diesem Single Malt. Allererste Klasse! Hier kann man sehen, was Macallan kann und warum sie diesen ‘Rolls Royce’-Ruf über die Jahrhunderte aufgebaut haben.

Der 30-jährige Fine Oak geriet für mich jedoch zur Enttäuschung. Im Vergleich zum 18-Jährigen fiel er deutlich ab. Er ist ein feiner, stiller, sehr eleganter Single Malt. Seine Sonnenseite ist sicherlich das extrem samtige, ölige Mundgefühl im Abgang. Da brennt nichts. Da ist nichts irgendwie scharf. Doch diese total runde Weichheit macht diesen alten Single Malt auch wieder uninteressant. Dazu kommt im ersten Antritt in der Nase eine deutliche Alkoholnote zum Vorschein, die sich aber nach ein paar Sekunden verflüchtigt. Mit Wasser kann man Abhilfe schaffen. Dann kommt mehr Frucht in den Vordergrund.

Alles in allem hat für mich der 30 Jahre Fine Oak nicht das gehalten, was er vom Papier her hätte bringen sollte. Dazu noch der Preis von über 400 Euro. Naja.

Da kommen dann Vergleiche mit dem alten 30 Jahre Sherryfass in der blauen Holzkiste auf. Oder zu den sagenumwobenen 25-jährigen Jahrgangsabfüllungen. Die letzte meines Wissens im Jahr 1975 destilliert und 2000 abgefüllt.

Das waren noch Flaschen Ausrufezeichen

Wir haben dann anschließend noch mit den offiziellen Firmenvertretern diskutiert, wann denn nun endlich wieder die alten Sherryfass-Abfüllungen kommen werden. Und was man da aus allen Herren Ländern (bis hinein nach Asien) so hört, hat mich zutiefst frustriert.

Neue Sherryfass-Abfüllungen soll es nicht mehr geben. Schluss aus und vorbei Ausrufezeichen

Was haben die sich dabei gedacht Frage

Bislang war der Kenntnisstand, dass die Sherryfass-Abfüllungen auf andere Märkte gelenkt würden, weil es bei uns so wenig Nachfrage gäbe. Und nun dieser Tiefschlag. Ich bin aus dem Tasting nicht fröhlich und beschwingt herausgegangen, sondern zutiefst betrübt. Eigentlich habe ich es ja schon gewusst. Trotz allen Anstrengungen zum Trotz hat meine Frau nur mehr einen 18 Jahre Sherryfass aus dem Jahr 1989 abgefüllt 2007 beschaffen können. Wo sind die Abfüllungen von 2008 und 2009 Frage Ich hatte noch einen Rest Hoffnung, der aber nun endgültig zerstört ist.

Es gibt aber auch positive Dinge, an denen ich mich nun festhalten will. Ähnlich wie beim Glenmorangie-Tasting kann man eine Aromenzunahme bei der Verwendung mehrerer unterschiedlicher Fässer beobachten. Seien es 1st und 2nd Fill oder aber auch milde amerikanische Weißeiche und kräftige europäische Eiche. Dazu noch der Einfluss des Sherrys.

Und der Macallan 18 Jahre Fine Oak zeigt, was der Brennerei-Charakter von Macallan in Verbindung mit vielen unterschiedlichen Fässern erzeugen kann. Der 18 Jahre Fine Oak setzt in dieser Hinsicht Maßstäbe.

Doch für mich ist ein Macallan nach wie vor eigentlich ein reiner Oloroso Sherryfass-Whisky. Der 18 Jahre aus dem Sherryfass zu Weihnachten war eine Offenbarung. Der alte 12 Jahre Sherry, den es immer noch gibt, folgt ihm ganz dicht auf. Der 12-jährige Fine Oak ist zwar ein toller Single Malt. Er schmeckt jedoch wie aus einer anderen Brennerei.

Das hat mich dazu verleitet, die Chargennummern der aktuellen Flaschen zu vergleichen. Ob vielleicht beim 10- und 12-Jährigen aus dem Sherryfass auch ein Ende abzusehen ist. Die Umkartons zeigen deutliche Abweichungen. Besonders bei der Angabe des Alkoholgehalts. Doch die Chargennummern auf den Innenseiten der Etiketts sehen recht ähnlich aus. Ich bin deshalb guter Hoffnung, dass es die jüngeren Sherryfass-Malts weiterhin geben wird.

Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass es in 10 bis 20 Jahren wieder 18-, 25- und 30-Jährige aus dem Sherryfass geben wird.

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