Die Schweiz - Teil 2
Was für Whiskys habe ich nun im Waldhaus probiert? Am Abend hatte ich einen 13-jährigen Edradour von 1995, der in einem Sherryfass reiften durfte und einen Bunnahabhain 25 Jahre bei sehr anregenden Gesprächen verkostet. Beides waren sehr gute Whiskys. Keine Frage. Doch das richtige Spitzenerlebnis wollte sich bei mir nicht einstellen. Warum ![]()
Zwei Dinge könnten dafür in Frage kommen.
Zum ersten ist da die Bar, die als Einziges als Raucherzone im Hotel ausgewiesen ist. Das bedeutet also, dass jeder der Gäste, der eine ‘Paffen’ will, sich in diese Bar begeben muss. Es herrscht also dort eine ziemliche Feinstaub- und Fehlaromenbelastung, was sich als Film auf den Flaschen niederschlägt und mitunter auch durch den Korken in die Flasche wandert. Ok, wir haben uns die ganzen Flaschen mit in die rauchfreie Lounge mit phantastischem Blick über den St. Moritzsee genommen. Aber dennoch. Ich glaube, die Flaschen waren ’sensorisch’ belastet.
Das zweite Problem lässt sich wohl nicht so einfach in den Griff bekommen. Und das ist die Lage von St. Moritz auf rund 1.800m über dem Meer. Wie wir alle aus dem Physikunterricht aus der Schule wissen, nimmt der Luftdruck mit der Höhe ab. Flugzeuge, die bis zu 12km hoch fliegen, müssen deshalb eine künstliche Atmosphäre im Rumpf aufbauen. Das geschieht mit Druckluft aus den Verdichtern der Triebwerke. Damit der Rumpf durch diesen inneren Überdruck nicht platzt wie eine Weißwurst, pumpt man den Rumpf nicht so hoch auf, wie auf Meereshöhe, sondern beschränkt sich auf einen Luftdruck, wie man ihn in 2.500m Höhe vorfindet. Das spart Material, Gewicht und damit auch Treibstoff.
Und jetzt kommt’s. Die Gerichte, die im Flieger serviert werden, müssen um 30 bis 50% stärker gewürzt werden, als die am Boden. Unsere Geschmackssensoren funktionieren in Höhenluft wohl nicht so wirklich gut. Und dieser Effekt könnte nun auch dafür verantwortlich sein, dass die beiden Whiskys zwar sehr gut, aber halt nicht super-duper bei mir ankamen. Denke ich diesen Gedanken zu Ende, dann macht auch das Whiskytasting auf einem hohen Berg relativ wenig Sinn. Doch als Bergwanderer kenne ich mich mit Bergbesteigungen und den damit verbundenen, körperlichen Strapazen sehr gut aus. Oben auf dem Berg kann man vermutlich die letzte Plörre servieren (was ich nicht unterstelle) und sie wird trotzdem schmecken …
Nach Dr. Spitzbart (und anderen Sportmedizinern) sei aber anzumerken, dass nach starker, körperlicher Anstrengung sowieso jeder Alkoholgenuss total von übel ist. Der Körper muss seinen Reparaturstoffwechsel in Gang bringen und jeder Alkohol wird von der Leber zuerst als Gift angesehen und bevorzugt abgebaut. Alkohol nach stressendem Sport oder Bergwanderungen ist und bleibt ein No-No.
Jetzt lässt sich natürlich trefflich diskutieren, ob wir hier in Seeshaupt, im hügeligen Voralpenland durch unsere erhöhte Lage oberhalb des ‘norddeutschen Flachlandes’ überhaupt in der Lage sind, treffende Geschmacksbeschreibungen für unsere Kunden abzugeben … ![]()