Die Krise - Teil 1

Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise ist nun schon eine ganze Weile am Laufen und nach den anfänglichen, recht fiktiven Finanzmeldungen - sofern man nicht in einer dieser Banken arbeitete - beunruhigten mich/uns nicht wirklich viel.

Dann erwischte es die Automobil- und deren Zulieferindustrie und schlussendlich ist die Krise nun auch bei uns allen mit den Warenhauskonzernen angekommen. Kaum jemand hat Niemanden in der Bekanntschaft und Verwandtschaft, dessen Arbeitgeber nicht erhebliche Gegenmaßnahmen ergreifen musste.

Einen Freund von mir hatte es bereits zum Jahreswechsel erwischt. Im Alter von 53 Jahren auf einem der wenigen Chefsessel eines Chemieriesen durfte er sich nach 21 Jahren Betriebszugehörigkeit einen neuen Job suchen. Letztlich hat er es geschafft. Aber es war ein Höllenritt. Einen anderen etwas jüngeren Freund reißt es gerade bei Siemens, bzw. einer der Nachfolge Joint-Ventures, in den Strudel.

Nach vielem Lesen und beständigem Nachdenken habe ich nun den Grund für die Krise gefunden. Und der ist ganz banal. Es sind weder die Banken, noch der Staat, noch der einzelne Bürger - alle in ihrer Gier nach mehr Geld. Nein, es ist viel einfacher. Es geht um das Finanzierungssystem unserer Volkswirtschaft als ganzes. Platt gesagt: Wir alle leben auf Pump. Und das geht auf die Dauer nicht gut, wenn die Kreditsumme zu groß wird.

Der Staat ist überschuldet. Es dauert nur mehr ein paar Jahre und unser Staat hat so viele Schulden, wie die Volkswirtschaft an Bruttosozialprodukt im Jahr erwirtschaftet. Auch die Bürger haben Schulden. Einmal für Häuser und Wohnungen aber auch für Konsumgüter. Auch hier sind sehr viele pleite. Mehr als 3 Mio. Bundesbürger sind per Gerichtsbeschluss pleite. Weitere 3 Mio. sind überschuldet oder stehen knapp davor. Man denke nur an die ganzen geleasten und auf Pump gekauften Autos. Da muss man gar nicht über den großen Teich auf die US-amerikanischen Kreditkartenschulden deuten. Bei uns schlummert eine eigene, mittelgroße Kreditkrise, dass es einem ganz schwindelig werden kann. Und das Kaufen auf Kreditkarte, deren Debit erst im Folgemonat abgebucht wird, ist eine weit verbreitete Schuldenmaschine für sich selbst. Kreditkartenkunden leben auch in Deutschland bereits im Schnitt für einen halben Monat im Minus.

Auf der anderen Seite unseres auf Schulden basierenden Staatssystems stehen die Geldgeber bzw. Banken, die auf einmal ihre Kredite nicht mehr bedient bekommen.

Der Zusammenbruch unseres Schulden-Systems erfolgte recht unsanft. Irgend ein schlauer Mensch kam nämlich auf die Idee, dass jede Bank pro Euro Eigenkapital ein Vielfaches an Krediten ausleihen durfte. Ganz nach dem Motto: Es werden schon nicht alle kommen und das Geld gleichzeitig zurück haben wollen. Doch als dieser Verschuldungs-Möglichkeits-Multiplikator einmal Werte von 10 und mehr erreicht hatte, war das System ganz schön verletzlich. Denn jeder Kredit der ausfiel, schlug voll auf das die Sicherheit gebende Eigenkapital durch. Wenn im Fall eines Multiplikators von 10 nur 10 Prozent der Kredite ausfallen, dann ist eine Bank pleite. Heute ist bereits ein Multiplikator von 25 erlaubt. D.h. die Bank darf 25mal mehr ausleihen, als sie an Eigenkapital besitzt. Das entspricht nur 4% Deckung Ausrufezeichen Damit ist ganz klar, warum eine Hypo Real Estate so schnell pleite gehen konnte. Kaum sind 4% der Kredite nicht mehr einbringbar, schon geht es dahin. Sicher - in den ganzen Beiträgen sind auch noch Risikopuffer drin. Damit gilt 4% nicht wirklich. Aber ab 5% wird es für eine Bank wirklich gefährlich.

Da der Staat an hohe Schulden gewöhnt ist, fiel es ihm nicht schwer, in seinen Landesbanken und der KfW besonders dilettantisch mit der Kreditvergabe umzugehen. Entsprechend schnell waren die Landesbanken summa summarum am Ende und müssen seitdem massiv gestützt werden. Und wer glaubt schon, dass der Boden des Sumpfs bei den Landesbanken erreicht ist? Aktuell zeigte es sich wieder, dass die Bayerische Landesbank allein mit zwei Hotels in den Alpen immer noch jedes Jahr mehr als 10 Mio. Miese macht - unglaublich. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Aber auch private Unternehmen haben es mit dem Schuldenmachen nicht so genau genommen. So ging das Imperium von Herrn Merkle ob gewaltiger aufgenommener Schulden für Aktienspekulationen über die Wupper. Genauso wie die auf Pump gestemmte Übernahme von Continental durch die Schaeffler-Gruppe satt daneben ging. Auch bei Porsche kriselt es.

Am Ende stellt sich die Frage, wer nun den ganzen Kladderadatsch bezahlen soll. Der Staat (also wir), die Banken (am Ende auch wir) oder die Unternehmen (ebenfalls wir) Frage Am Ende bezahlen wir alle die Zeche dafür, dass wir alle uns nicht entschieden genug dem großen Schuldenmachen entgegengestellt haben. Da hilft es wenig, wenn gerade heute die Schuldenbremse in die Verfassung aufgenommen wurde.

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