Stark oder Schwach?

Bruichladdich PeatHaben auch sie mit weichen Speyside Malts angefangen und sind nun auf dem Olymp der Islay-Malts angekommen Frage

Völlig falsch Ausrufezeichen

ThomasT hat es in einem Beitrag hier sehr gut beschrieben:

Warum soll ein Islay Whisky besser oder profimäßiger sein, als ein Speyside Malt? Warum sollen nur rauchige Torfmonster aus Islay gut sein? Mit etwas bösem Willen, könnte man daraus sogar etwas Negatives formulieren.

Wie begann es bei mir?

Mein Single Malt Whisky Genuss begann mit einem Strathisla 15 Jahre von Gordon & MacPhail. Dieser Malt wird schon gar nicht mehr abgefüllt und vermutlich war er auch gar nicht so auf dem Olymp, wie er mir damals vor kam. Dann ging es mit Royal Lochnagar und Isle of Jura weiter.

Es ist ganz normal, dass ein Whiskygenießer sich im gesamten Feld der Single Malts umtut und probiert, was verfügbar ist. Wer eine Abneigung gegen Rauch hat, der wird die Islay-Monster meiden und wer auf heftigen, süßen Sherry steht, der wird sich halt in dieser Richtung umtun. Und wer ganz offen ist - nun dem steht ganz Schottland zur Verfügung.

Mein geschmacklicher Weg führte zunächst Anfang der 90er auch nach Islay. Es gab da einen 15-jährigen, unabhängigen Caol Ila mit 61%. Wenn man den mit stillem Wasser verdünnte, brannte das Torffeuer im ganzen Zimmer …

Ja und dann? Dann geht es irgendwann nicht mehr heftiger. Die einen (oben zart angesprochenen) zieht es dann hin zu einem Octomore in Fassstärke oder angeblichen unabhängigen Lagavulins. Nur weil sich heftigere Erlebnisse erwarten lassen. Es gibt Menschen, denen kann es nun wirklich nicht heftig genug sein.

Ich hatte das Privileg und durfte mit meiner Frau nach Schottland fahren und mir dort von alten Männern zeigen lassen, was aus deren Sicht wirklich guter Whisky war. Und das war alles andere, als die heftigen, rauchigen Single Malts.

Single Malt Whisky ist ein Produkt, das nicht nur von heftigem Brennerei-Charakter und Torfrauch im Malz lebt. Nein - Single Malt Whisky ist das Zusammenspiel verschiedenster Aromen. Und dabei gilt in der Branche auch, dass leichte, weiche, zarte Destillations-Aromen sich auch mit zartem, weichen Holz paaren dürfen. Das Ergebnis ist zwar anschließen ‘nur’ ein weicher, zarter Single Malt - er kann aber durchaus komplex und tief sein.

Problematisch wird in diesem Zusammenhang, wenn die Geschmacksknospen des Probierenden sich über mehrere Jahre auf kräftigen Torf, Alkohol und intensiven Pot Still Charakter - am besten noch in Fassstärke - eingestellt haben. Dann kommt ein weicher, alter, komplexer Speyside Single Malt ohne europäisches Holz über diese höhere Aktivierungsschwelle natürlich nicht mehr hinweg.

Und hier liegt das Missverständnis zwischen manchem Malthead und dem stillen, weichen Genießer begraben. Dem einen kann es nicht heftig genug sein - den anderen schrecken diese heftigen Aromen wirklich ab.

Weicheier gegen harte Jungs Frage Manchmal kommt es mir wirklich so vor.

Es gibt aber auch Whiskys, die ich nicht leiden kann. Und zwar sind dies solche Malts, die zu wenig Holz abbekommen haben. Also typischerweise zu junge Malts oder ältere Malts, die ausschließlich in mehrfach wiederbefüllten Fässern gelagert wurden und so hell wie Weißwein sind.

Whisky ohne Holzaromen schmeckt wie Korn und nicht wie Whisky. Zu einem guten Whisky, das brachten mir die alten Herren bei, gehört immer ein ausgezeichnetes Holz. Und das lässt sich nur über ein langes, voraus planendes Fassmanagement und Geldausgabe für gute Fässer in die Whiskys bringen.

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