Bin ich Journalist?
Im Herbst 2007 ging es zwischen Journalisten und Bloggern richtig ab. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes DJV, Michael Konken, hielt eine Rede, die in der bloggenden Gemeinde mächtig Staub aufwirbelte.
Der Kernsatz der Rede, mit dem wir Blogger uns auseinandersetzen mussten lautete:
Michael Konken hat Folgendes geschrieben:
“Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse.”
Gehöre ich zu diesen ganz wenigen Ausnahmefällen? Oder ist alles, was ich hier über Whisky, die Welt und den ganzen Rest von mir gebe, doch nur (journalistischer) Müll - wie man es mir schon einmal vorgeworfen hat?
Sicher, im Internet ist eine Menge nicht Journalismus. Aber wenn ich so in die Presse und das Fernsehen schaue, dann finde ich dort auch eine Menge ‘Zeugs’ in den Boulevard-Blättern und am Nachmittag auf den privaten Fernsehsendern, das ist alles Andere, bloß kein Journalismus.
Und dann schreibe ich ja auf Papier noch unsere The Whisky Times. Dieses dünne Blättchen nennt sich ja auch noch ‘Das Whisky-Journal’. Also doch Journalist? Oder bin ich mehr der Buchautor, der das ‘elektronische Whisky-Buch’ veröffentlicht hat? Aber auch hier schon wieder der Negativ-Begriff ‘Online’.
Der folgende Satz des Vorsitzenden Michael Konken zeigt dann schon, wohin seine eigentliche Meinung ging/geht:
Michael Konken hat Folgendes geschrieben:
“Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.”
Aha - es geht um die Anonymität des Internets. Aber dann hat er den Begriff der Bloggers vielleicht nicht richtig verstanden und den eigentlichen Blogger und die Antwortenden, meist anonymen User, in einen Topf geworfen. Geht es ihm vielleicht um dieses tolle Zusammentragen von Informationen aus allen Richtungen und Schichten, auf die der Blogger - hoppla ‘Online-Journalist’ - keinen Einfluss hat?
Und tatsächlich - im weiteren Verlauf seiner Rede heißt es:
Michael Konken hat Folgendes geschrieben:
“Die glaubwürdige journalistische Arbeit muss geschützt werden, damit die, die wirklich qualitative journalistische Arbeit leisten, geschützt werden. Wir müssen in den nächsten Monaten eine quantitative Entrümpelung vornehmen, müssen qualitativ ausdünnen und festlegen, was unseren journalistischen Ansprüchen genügt.”
Schutz
Es geht um den Schutz des Journalisten und seiner qualitativ hochwertigen Arbeit. Allein mir fehlt der Glaube, dass (alle) Journalisten heute so immer noch (breitflächig) hochwertige Arbeit machen.
Das Wissen der Menschen und das Informationsangebot für den Einzelnen nimmt exponentiell zu. Das Wissen soll sich angeblich alle drei Jahre verdoppeln. Naja - man sollte sich erst einmal auf einen Maßstab einigen, bevor man genau zu messen anfängt. Doch ich stimme zu. Die moderne Zeit hat das Wissen massiv vergrößert und die Informationsgesellschaft mit dem Internet hat es für den Einzelnen auch in Reichweite gebracht.
Gleichzeitig sinkt aus Kostengründen die Anzahl an tätigen Journalisten. Schließlich muss sie jemand bezahlen. Und die Auflage z.B. der Tageszeitungen nimmt ständig ab. Deshalb müssen immer weniger Journalisten den gleichen Platz in der Printpresse voll schreiben. Aus den Information-Gatekeepern von gestern wurden seit der Entwicklung des Internets Zusammensteller, Editoren und Kompilatoren. Wen wundert es da, dass das PR-Fach (Public Relations) immer wichtiger wird und die PR-Schreiber den ‘ach so unabhängigen und qualitativ hochwertigen’ Journalisten mit vorgefertigten Meldungen die Seiten füllen helfen.
Wo ist da der kritische Journalismus? Abschreiben von PR-Meldungen? Warum findet man auf den ersten Seiten der Tageszeitungen immer mehr Meldungen der großen Nachrichten Agenturen (AP, UPI, Reuters, dpa, …) ?
Doch zurück zu mir. Fühle ich mich als Journalist
Nicht wirklich
Schließlich schreibe ich mir hier nicht hauptamtlich die Finger wund. Obwohl - ich muss es gestehen - die am meisten von mir verwendete Software ist die Textverarbeitung.
Hier sind noch ein paar tolle Links in Blogs, die damals diese Rede auseinander genommen haben:
Onlinejournalismus
Blog Handelsblatt
LawBlog
FalkLuecke
Blogbar
Und hier ist dann der Fairness und Vollständigkeit halber wegen (gehört zu gutem Journalismus) die Rede im Original-Wortlaut:
http://www.djv.de/Rede_Michael_Konken.1975.0.html
Montag kümmere ich mich darum, warum ich mich erst jetzt um dieses Thema kümmere und löse auch die Frage auf, ob ich nun Journalist bin oder doch nicht.
Am 14. September 2008 um 21:14 Uhr
Die Frage ist do ob du ein Journalist sein möchtest?
Für mich hat Konken einefach nicht verstanden was Blogs sind.
Ein Bloger Kollege hat es meiner mneinung nach gut getroffen!
Illus Blog über Konken: Wenn Journalisten durchdrehen