Schlechte Lieferanten - Teil 1

Heute will ich mich einmal aufregen. Nicht immer herrscht eitel Sonnenschein im The Whisky Store.

Unsere Lieferanten sind streckenweise richtig schlecht. Schlecht geführt, schlecht beraten, schlechte Arbeitsmoral und vor allem: Schlechtes Arbeitsergebnis.

Wer so böse tönt, der muss auch sagen, woher diese Meinung stammt.

Sie als Kunden kaufen bei uns (hoffentlich) prima ein. Zu mehr als 96% sind auch alle Waren immer vorrätig und Ihre Retouren bzw. Reklamationsquote ist wirklich gering. Vielen Dank an Sie alle Ausrufezeichen

Warum klage ich hier so laut? Läuft doch, was will ich denn Frage

Ein Handelsunternehmen hat zwei Fronten. Nicht nur den Verkauf, sondern auch den Einkauf. Und in diesem und den kommenden Beiträgen geht es um den Einkauf.

Ich will Ihnen deshalb Beispiele aus dem Einkauf geben, dabei aber diskret bleiben. Namen werde ich nicht nennen. Ich möchte es meiner Frau mit Niemandem verderben. Deshalb habe ich weiter oben auch das wachsweiche Wort streckenweise verwendet. Nachdem mir einmal ein Lieferant per Rechtsanwalt über Äußerungen im Internet an den Karren fahren wollte, bin ich hier doch lieber etwas vorsichtiger.

Ein schönes Beispiel gab es wieder einmal vor einem Monat. Wir bestellten Whisky-Sortimente - 180 Stück. Und was kommt als Lieferung? 60 Stück. In den Sortimenten sind jeweils drei Flaschen drin und eine besondere Mitarbeiterin unseres Lieferanten, die das immer bearbeitet, teilt bei Sortimentsangaben immer alle Zahlenangaben durch drei. Der Außendienstmitarbeiter hat das mit der Dame schon mehrfach durchgekaut. Sie ist schon Zig-Jahre dabei und bald in Rente und ändert sich nicht mehr. So hat sie es jedenfalls dem Außendienstmitarbeiter gesagt. Also ändern wir uns und bestellen immer das Dreifache. Eigentlich ganz einfach.

Doch hoppla - Wenn die Dame krank oder auf Urlaub ist, macht diese Arbeit jemand anderes. Und der liefert voll aus. Also haben wir auf einmal 540 Sortimente geliefert bekommen. Wie wir es auch drehen und wenden. Wir bekommen das mit dem Unternehmen seit vielen Jahren nicht in den Griff.

Wenn so etwas ein Mitarbeiter bei uns machte (nicht lernen, nicht bemühen, nicht kommunizieren), dann wäre der Teufel los. Nicht so in diesem Unternehmen. Man kann als Kunde lärmen wie man will. Es passiert nichts. Wir werden dieses Produkt deshalb aus dem Programm nehmen. Solch Zusatzarbeit kann dieses Produkt mit der geringen Marge nicht tragen.

Nächstes Beispiel gefällig? Ein anderer Lieferant von uns hat vor Jahren SAP eingeführt. Eigentlich sollte damit alles besser werden. Doch noch nach mehreren Jahren ist das neue SAP-System nicht in der Lage, weder einen Nettopreis für eine Kiste noch für eine einzelne Flasche auf der Rechnung auszugeben. Stattdessen gibt es nur Bruttopreise inkl. Mehrwertsteuer. Und das im Geschäftsverkehr (B2B), bei dem die Mehrwertsteuer grundsätzlich nicht interessiert. Was soll das?

Stellen Sie sich das einmal vor. Alle Kunden dieses großen Lieferanten müssen die Rechnungspreise manuell um die Mehrwertsteuer bei der Rechnungsprüfung korrigieren. Oder glauben die Belieferten die angegebenen Preise etwa? Denn auch bei den Preisen und Rechnungskonditionen liegt es bei unseren Lieferanten bös im Argen.

Man bekommt drei Rechnungen von einem (jetzt wieder anderen) Lieferanten übersandt. Und nicht zwei Rechnungen weisen die selben, vertraglich fixierten, Konditionen auf.

Mal fehlt ein Werbekostenzuschuss, dann stimmt der rechnungswirksame Rabattsatz nicht, und dann ist ein falscher Skontosatz ausgewiesen oder ein Logistikrabatt vergessen. Gibt es bei den großen Firmen keine Stammdaten, die man zu einem Kunden und zu Artikeln pflegt? Schreiben die das alles von einem Stück Papier ab? SAP kann man so etwas beibringen. Ich habe früher mit diesem System gearbeitet.

Bei ganz wenigen Firmen stimmen tatsächlich immer alle Rechnungen. Da merkt man, wie die Geschäftsführung dahinter steht und den Laden ständig unter Druck hält. Bei Anderen wieder sind nahezu alle Rechnungen immer falsch.

“Larifari - komm’st nicht heute, komm’st nicht morgen - übermorgen ganz bestimmt …”

Das ist ja nur der Papierkram Ausrufezeichen

Jetzt komme ich zur Logistik. Auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Fehllieferung -fehlende und/oder falsche Flaschen - sind an der Tagesordnung. Auch die Schotten liefern nicht selten richtigen Schrott ab. Fehlende Tuben, fehlende Deckel, fehlende Etiketten, fehlende Kapseln, fehlende Flaschen.

Und die Lieferscheine stimmen nicht mit Rechnungen überein und dazu stimmen diese Lieferscheine auch noch nicht einmal mit den Waren überein. Wie so etwas passieren kann? Ok - auch wir liefern falsche Flaschen aus. Wenn Menschen arbeiten passieren Fehler. Wenn wir uns das jedoch in der selben Häufigkeit leisten würden wie die Großen - Sie hätten sich das als Kunden von uns nicht lange gefallen lassen. Wer aus Fehlern nicht lernt ist zum Aussterben verurteilt.

Und wir mit unseren Lieferanten? Wir haben keine andere Chance. Wir können die von Ihnen verlangten Whiskys nur an diesen, bestimmten Stellen kaufen. Andere Whiskys wollen Sie als Kunde nicht haben. Das nennt man ein Lieferanten-Oligopol.

Als Letztes ärgert mich dann noch die mangelnde Weitsicht dieser Unternehmen. Sie können oftmals nicht liefern, was wir benötigen. Da gibt es ein Megaseller-Produkt vielleicht nur sechs Monate im Jahr. Und wenn zu Weihnachten die Nachfrage steigt, dann ist der Whisky vergriffen und nicht für Geld und gute Worte zu haben. Planen die nicht auf den Daten der Vorjahre? Wie es jeder normale Mensch macht?

Und was machen wir? Aus Erfahrung wird man klug. So manche Whiskys bunkern wir in richtig großer Stückzahl, wenn sie erhältlich sind. Wie heißt es so schön: “Sorge bei Zeiten, so hast Du in der Not!”

Denn nichts ist für einen Kunden unangenehmer, als wenn er einen Whisky aus einem gedruckten Katalog bestellt, der anschließend nicht mehr erhältlich ist. Und das noch nicht einmal als Nachfolgeflasche mit einem jüngeren Jahrgang.

Alles was ich Ihnen hier erzählt habe erleben wir regelmäßig Tag für Tag! Und es ist weniger die Ausnahme, denn die Regel. Jetzt wissen Sie was wir hier im The Whisky Store so machen, wenn wir uns nicht um Sie als unsere Kunden kümmern.

Ein lieferbares Whisky-Sortiment konsequent andauernd und zu stabilen Preisen über 12 Monate anbieten zu können ist anscheinend nicht trivial, sondern für unsere streckenweise Lieferanten richtig schwierig.

Eine Reaktion zu “Schlechte Lieferanten - Teil 1”

  1. Marcel Ulrich

    Dieses Thema ist sehr interessant. Daher ersuche ich sie diese Seite zu erweitern!

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