Kostenlos
Unsere Gesellschaft entwickelt sich rapide weiter. Womit vor wenigen Jahren sich Großkonzerne mit Hunderttausenden an Mitarbeitern ihr Einkommen verdienten, das gibt es heute alles kostenlos.
Beispiele? Ganz aktuell schaffen viele Banken ihre Kontoführungsgebühren ab. Über das Internet telefoniert man kostenfrei und die Software wie Linux und OpenOffice für den Computer gibt es in voller Breite ohne Lizenzkosten.
Früher hieß es: “Was nichts kostet, taugt auch nichts!”
Dieses Zitat will ich heute nicht mehr so einfach unterschreiben. Das kostet zwar alles noch etwas. Aber nicht mehr den User. Es wird heute nur anders finanziert.
Bestes Beispiel ist das Internet mit seinen kostenlosen Informationen. Während man früher Zeitungen oder News-Dienste für teuer Geld abbonieren musste, gibt es das heute kostenfrei im Netz. Linux statt Windows, Skype statt Telekom, Wikipedia statt Brockhaus, www.ftd.de statt Tageszeitung, Postbank statt Sparkasse.
Vieles, was es heute kostenfrei gibt, ist nicht schlechter als der früher kostenpflichtig angebotene Dienst. Das Geschäftsmodell der Unternehmen ist halt ein anderes geworden. Geld verdient wird mit den neuesten Entwicklungen. Das Apple iPhone und das Nokia N95 kosten noch richtig Geld. Und solches Hightech-Geld wird dazu verwendet, bei den kostenlosen Diensten Werbung für Kostenpflichtiges zu machen.
Google ist ein tolles Beispiel. Die kostenlose Suche ist wirklich gut und wird weltweit mit wachsender Begeisterung genutzt. Die Finanzierung dieses kostenlosen Dienstes erfolgt über die seitlich und über den Suchergebnissen angeordnete Werbung.
Es gibt aber ein paar Randbedingungen in unserer Gesellschaft, da ist nie kostenlos angesagt. Die beiden wichtigsten Vertreter dieser extrem kostenpflichtigen Dinge sind Energie und Arbeitszeit. Wann immer Sie diese beiden Grundgüter in wesentlicher Menge benötigen, dann wird es entsprechend teuer.
Sie meinen, ich hätte die Nahrungsmittel, Mieten und andere Dinge vergessen? Nicht wirklich - die Erzeugung unserer Nahrung, genauso die Wohnungsmieten, die sich aus den Personalkosten für die Errichtung eines Gebäudes und den Energiekosten für die Herstellung der Baustoffe zusammensetzen, lassen sich auf diese beiden grundlegenden Kostenarten zusammenfassen.
Womit wir letzten Endes bei The Whisky Store angekommen wären. Was bezahlen Sie mit Ihren 50 Euro für eine durchschnittliche Flasche Whisky?
Wie oben schon gesagt: Energie und Arbeitszeit. Und wenn wir es schaffen, über den Versandhandel eine Menge Energie (z.B. Beleuchtung und Heizung) und Arbeitszeit (Vorhalten einer Bedienung) einzusparen, dann müssen wir die Preise für unseren Whisky nicht erhöhen. Der Trend ist eindeutig - der allgemeine Einzelhandel (nicht Whisky) in der Fläche, der von diesen beiden Faktoren stark abhängt, leidet massiv und schrumpft von Jahr zu Jahr.
Schaffen diese Einsparungen unsere Lieferanten bzw. die eigentlichen Hersteller nicht, dann werden die Preise trotzdem steigen. Sicher, die Kosten für Getreide und Energie steigen, doch noch schätze ich nicht mehr als zwei bis drei Euro Kosten pro Whiskyflasche auf Grund dieser beiden Kostenarten. Der Rest sind alles Personalkosten für Werbung, Marketing und natürlich Staats- nebst Firmenbürokratie. Trotz extremer Preissteigerungen im Verkehr, wächst die Logistik in Deutschland und auf der ganzen Welt ungebrochen. Wenn man nur genug Waren gemeinsam transportiert und die Kosten so verteilen kann, dann spielt das eine untergeordnete Rolle.
Und die Alkohol- und Mehrwertsteuer? Auch sie sind letzten Endes Personalkosten, da unser Staat damit vor allem Arbeitszeit im Staatshaushalt bezahlt. Und die Zinsen der Staatsverschuldung? Sie bezahlen vor allem die Arbeitszeit der Banker.
Der Druck, dass im Moment Alles so viel teurer wird, liegt auf der einen Seite an den die (fossile) Energie besitzenden Ländern, die sich von uns nicht länger kolonial ausbeuten lassen wollen und den wiederum daraus entstehenden höheren Personalkosten. Wer will keine Lohnsteigerung, weil seine Heizkosten und der Weg zur Arbeit immer teurer wird?
Linux, OpenOffice, Wikipedia, Skype und sogar das The Whisky Forum … Hier sehen Sie ganz wunderbar, wie Dienste, die hoch automatisiert sind und wenig Energie verbrauchen, sich wunderbar kostenfrei verteilen lassen. Die wenigen Kosten werden ganz toll über Werbung oder die Portokasse gegen finanziert.
Erwarten Sie jedoch kostenfreie fremde Arbeitszeit oder Energieeinsatz, dann ist in unserer Gesellschaft aber Schluss mit lustig.
Am 1. Mai 2008 um 13:03 Uhr
[…] das OS nicht selbst entwickeln oder zukaufen muessen > verdienen sie. Oder meinst du dass sie dann keine Kosten haetten, so > wie bei Linux? Ja. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass alles was nichts […]
Am 2. Mai 2008 um 08:13 Uhr
Ich habe vor allem den Privatanwender damit gemeint, der für sein OpenOffice zu Hause tatsächlich nichts bezahlt.
Der Streit um die Total Cost of Ownership bei Linux vs. Windows wird ja ganz erbittert geführt. Sicher kostet Linux im Betrieb Geld doch auch unsere Windows Server und Workstations kosten nach den Anschaffungen immer noch ganz üppig.