Die neue Dalmore Range

Dalmore 15JBevor die Messe in Frankfurt Freitag Mittag mit den Fachbesucherstunden beginnt, gibt es an diversen Locations exklusive Veranstaltungen für den Handel. Hier gibt es Informationen abseits der offiziellen Tastings und kostenpflichtigen Master Classes. Doch der Tenor auf diesen Veranstaltungen ist ein Anderer. Preiserhöhungen werden in diesem Umfeld z.B. durchaus positiv gesehen. Schließlich geht es ums Geldverdienen. Hier werden Dinge gesagt, die man ansonsten offiziell nicht zu hören bekommt.

Ich habe diesmal eine Veranstaltung mit Richard Paterson, dem Master Blender von Whyte & Mackay, besucht. Nach einer Video-Präsentation gab es zu einem exklusiven drei Gänge Menü (Lachs, Hirsch, Eis) die vier neuen Dalmore zu verkosten.

Bei Dalmore ändert sich so einiges. Ganz neu erschienen ist der Dalmore Gran Reserva. Ein toller, sehr sherrylastiger Single Malt ohne Altersangabe, der den Cigar Malt ablösen wird. Derzeit wird dieser Malt aus 10 bis 14 Jahre alten Malts abgemischt. Um die neuen 12- und 15-Jährigen nicht zu kannibalisieren, wird kein Alter auf dem Label angegeben.

Apropos Cigar Malt, den meine Frau gerade im Sonderangebot anbietet: Der weltweite Raucherbann schlägt auch hier seine Wellen. Das Wort ‘Cigar’ hat ab sofort in der Bezeichnung einer Whiskyflasche nichts mehr zu suchen. Wer Whisky und Zigarre noch gemeinsam in den Mund nimmt, wird ab sofort (offiziell) wie ein Lepra-Kranker gemieden. Alle Hersteller (und wir) haben mächtig Angst vor einem Alkohol-Werbeverbot wie beim Tabak. Der Cigar Malt wird deshalb eingestellt. Wer also solche Flaschen bunkern möchte … Schlagen Sie jetzt zu.

Auch der 12-Jährige ist überarbeitet worden. Er erhält in Zukunft statt 30% Sherryfassanteil jetzt 50%. Sie denken, das gibt es bereits beim Black Isle? Stimmt - der Geschmack ist vergleichbar - deshalb geht es dem Black Isle ebenfalls an den Kragen. Wer auch hier noch eine Flasche haben will, sollte ebenfalls bald zugreifen. Im neuen Jahr kann es mit diesen Flaschen schwierig werden.

Der 15-Jährige ist reifer und komplexer. Auch die Ausstattung der Flasche ist hochwertig mit dem silbernen Hirschgeweih. Doch es ist ein leiser Malt. Nicht grob und vordergründig, sondern eher elegant und vielschichtig.

Krönung der neuen Range ist der King Alexander II. Er enthält eine Mischung aus 6 (in Worten sechs) verschiedenen Fassreifungen. Sherry, Port, Madeira, Marsala, Bourbon und Cabernet Sauvignon. Sehr vielschichtig und sehr komplex.

Das aktuelle Batch des 21-Jährigen ist sehr bald vergriffen. Die neue Abfüllung soll erst im neuen Jahr erscheinen. So hieß es vor wenigen Wochen. Doch ob sie wirklich noch erscheint? Oder ob man den King Alexander an seine Stelle setzt? Da kann man nur Joda zitieren: “Sehr schlecht zu sehen die Zukunft ist …”

Ach ja - natürlich ist Exklusivität sehr wichtig. Es gibt wieder einen Jahrgangswhisky von 1973. Dann noch eine 40-jährige Abfüllung. Und die Krone setzt eine Flasche 64-jährigen Dalmore zu 100.000 Pound Sterling auf. Diese Flasche macht dreimal Freude. Nicht nur beim Verschenken, sondern auch beim Genießen und wenn die Flasche leer ist, geht man mit ihr zum Juwelier, der die Brillianten aus der Verzierung nimmt und für die Frau in exklusiven Schmuck fasst. Wenn das nicht das Herz jedes Menschen erfreut, der schon alles hat Winken

Mit Uber-Premium wurde dies in der englischsprachigen Präsentation bezeichnet. Das erinnert mich doch gleich an einen meiner kommenden Beiträge über Überluxus, den ich schon einmal in einer ruhigen Stunde für diesen Blog vorgeschrieben habe. Es gibt schon merkwürdige deutsche Fremdwörter in der englischen Sprache. Blitzkrieg, Rucksack und neuerdings Uberluxus (ohne Ü) gehören zu den bekanntesten.

Und diese letzten Flaschen zeigen auch, wohin die Reise geht. Dalmore wird teurer (na ja, wenn sie es schaffen) oder soll zumindest teurer werden. Preislich will man sich zwischen Macallan und Highland Park positionieren. Ich halte das für möglich, sinnvoll und auf jeden Fall angemessen. Mit tollen englischsprachige Ausdrücken wurde man in der Präsentation konfrontiert. Uber-Premium versteht man ja noch, aber voluptuous, prodigal und bounteous werden auch nicht jedem Angelsachsen geläufig sein.

Eine halbe Stunde vor dieser Veranstaltung habe ich mich ausführlich mit Richard Paterson abseits des Trubels unterhalten. Er ist immer sehr begierig etwas von der direkten Verkaufsfront - ungefiltert von seinen Distributoren - zu hören. Und wer eignet sich dazu besser als wir vom The Whisky Store, die wir eine Zigtausend Köpfe zählende, überregionale Klientel bedienen. Im Austausch erhalte ich immer Rumors aus Schottland und - das ist mir wichtig - der ganzen Welt. Richard ist nicht nur der laute, spaßige Entertainer, wie er sich in seinen Tastings so gerne gibt. Im privaten Gespräch macht er sich auch massive Gedanken um die Zukunft seines Unternehmens und die der Welt. Am Ende unterhält man sich über die Familien und wer gerade wo auf der Welt ist, bzw. von dort wieder zurück gekehrt ist.

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