Evolution - Teil 2

Wussten Sie, dass die DNS - der Erbcode des Menschen - zu 60% mit der DNS einer Maus übereinstimmt? Fast 99% unseres Erbguts stimmen mit dem eines Schimpansen überein. Und trotzdem macht dieses eine Prozent so viel aus.

Die Evolution läuft (für mich) erschreckend schnell. In nur 300.000 Generationen sind wir zu dem geworden, was uns vom Schimpansen unterscheidet. Affen können Gebärdensprachen lernen. Sie können aber, genetisch bedingt, nicht sprechen. Zur Sprache haben wir Homo Sapiens uns erst in den vergangenen 10.000 Generationen entwickelt. Das ist für mich eine beunruhigend kurze Zeitspanne. Sauberes Erbgut, überlegene Gene? Weit gefehlt - alles ist beständig im Fluss.

Doch nicht nur in körperlicher, genetischer Hinsicht haben wir eine gigantische, evolutionäre Entwicklung hinter uns gebracht. Auch im sozialen Bereich haben wir evolutionär viel ausprobiert: Hordenführer, Siedlungsbürgermeister, absolutistische Herrscher, Patriarchat, Matriarchat und letztendlich die Demokratie haben uns jeweils den passenden sozialen Kontext gegeben, damit wir uns weiter entwickeln konnten.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben, damit das richtig zu Ihnen ‘rüber kommt. Jugendliche Schwerverbrecher sitzen bei uns (meist) vor Beginn der Reproduktionsphase im Gefängnis. Das war nicht immer so. Eigentlich war es noch nie besser als heute.

Langfristig (100+ Generationen) werden diese ‘Fähigkeiten’ bei uns also aussterben. Sehen wir einmal vom genetischen Zufall ab, der immer wieder die eine oder andere verquerte Seele erschafft, die durch unsere Gesellschaft nicht sozialisiert werden kann.

Neben dieser sozialen Evolution im Gehirn des Menschen findet gleichzeitig auch eine technische Evolution oder sagen wir lieber eine Evolution in technischen Fähigkeiten statt. Es begann bei den Knochenwerkzeugen, Steinkeilen und dem Rad. Es ging weiter mit Kupferäxten, eisernen Nägeln und dem Pflug. Über viele Generationen konnten wir die Baupläne dieser technischen Fähigkeiten speichern bzw. überliefern und ständig verbessern. So ist aus den ersten Destillationsversuchen zur Parfümgewinnung im alten Ägypten bis heute aus dieser Bauanleitung (siehe Teil 1) ein komplexer, technisch hocheffizienter Prozess mit vielfältiger Zielsetzung geworden.

Während die biologische Evolution mit 300.000 Generationen vergleichsweise langsam verlief, rast die technische Evolution seit ein paar Hundert Jahren in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Und nicht nur das. Sie beschleunigt weiter. Evolutionsforscher berechnen gerne die Leistungsfähigkeit verschiedener Zeitalter. So hatte ein steinzeitlicher Jäger ein Jahreseinkommen, umgerechnet auf heutiges Geld, von rund 100 Dollar. Schon die Römer lagen bei 1.000 Dollar. Dann fiel das Einkommen im dunklen Mittelalter wieder ab. Und selbst der durchschnittliche Brite um die Jahre 1800 bis 1850 lag im normalisierten Einkommen immer noch dichter bei den Römern als bei uns, seinen Urenkeln.

Warum explodierte unser Wohlstand Frage Warum konnten wir in so kurzer Zeit so viel erreichen?

Um dies zu verstehen, muss man die Wirkungsweise der Evolution verstehen. Darum werden wir uns morgen kümmern.

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