Milch wird teurer! Whisky nicht?
Haben Sie es in der Presse und im Fernsehen verfolgt? Milchprodukte soll(t)en in dieser Woche um 50% teurer werden. Die Wettbewerbshüter haben Ermittlungen angekündigt.
Was ist geschehen? Die Nachfrage nach Milch hat angezogen. Vor allem aus China. Das treibt den Milchpreis in die Höhe (so sagt man …)
Doch lassen Sie uns wirklich hinterfragen, was da passiert. Ein Bauer erhält für einen Liter Milch im Moment so um die 27ct.
http://www.milchindustrie.de/de/eu/agrarpolitik/milchpreis_int.
Es geht mit China aber gar nicht um Frischmilch, sondern um industriell hergestelltes Milchpulver. Etwas anderes könnte man auch gar nicht vernünftig nach China und Asien exportieren.
Seitdem die EU vor ein paar Jahren ein Zurückfahren der Milchsubventionen beschlossen hat, ist der Milchpreis massiv unter Druck geraten. Dem Zucker erging es ähnlich. Rund 10 Prozent hat die Milch über ein paar Jahre verloren. Seitdem sieht man in Bayern landauf landab die Schilder der Milchbauern am Straßenrand, die einen fairen Preis von 40ct pro Liter proklamieren. Das entspricht einer Steigerung von rund 50%. Im globalen Wettbewerb ist unser Milchpreis immer noch sehr hoch, wie man es auf der oben genannten Seite der Milchindustrie nachlesen kann.
Gibt es Spielraum nach oben? Experten gehen davon aus, dass der Milchpreis für die Erzeuger um maximal 3ct jetzt steigen wird. Wie kommt die Milchindustrie (nicht die Erzeuger) nun darauf, die Preise um 50% für den Endkunden anheben zu wollen? Schließlich steckt in einem Töpfchen Joghurt (125g) nur für 4ct Milch (inkl. MwSt.). Wenn der Milchpreis also wirklich um 50% steigen würde, dürften maximal 2ct auf das Töpfchen Joghurt drauf kommen. Und da er vermutlich nur um 3ct steigt, sind 0,2ct angemessen.
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Szenenwechsel. Bier, Malz, Gerste, Weizen. Der Weizenpreis befindet sich auf einer seit Jahrhunderten andauernden Talfahrt. Steigende Mechanisierung, bessere Düngung und ausgesuchte Sorten nebst ausgeklügelter Wasserversorgung haben uns von Jahr zu Jahr weltweit Rekordernten einfahren lassen. Der Prozentsatz an hungernden Menschen ist massiv zurück gegangen und zusätzlich ernähren wir 2,5 Mrd. mehr Menschen seit 1970. (Anmerkung: Aber es hungern immer noch 12% der Weltbevölkerung - jeder Hungernde ist einer zu viel). Weizen lässt sich so preiswert herstellen, dass ganze Länder, allen voran Polen und Russland die Weizenproduktion nach der Wende massiv zurückfahren mussten, seit sie wirtschaftlich rechnen müssen. Gleiches gilt für unser Malz aus Gerste.
Fragen Sie einmal einen Bauern, was er für einen Doppelzentner Weizen (100kg) an Bezahlung in den vergangenen Jahren erhielt. Das Minimum lag vor ein paar Jahren um 8 Euro pro 100kg. Dafür kann der Bauer sich fast nicht das notwendige Spritzmittel, den Dünger und den Diesel für seinen Traktor kaufen.
Seit ein paar Jahren ist der Weizenpreis atypisch gestiegen. Und zwar um bis zu 40%! Woran liegt es? Der Bauer kann den Weizen wunderbar verstromen (=verbrennen) und erhält (aus meiner Sicht fragwürdige) Zuschüsse für die Einspeisung regenerativer Energien. Andere fahren ihren Weizen zur Bioalkoholherstellung und erhalten für ihren Biosprit deutlich höhere Preise als für sein Grundnahrungsmittel, damit wir ‘umweltfreundlicher’ Auto dank zugesetztem Biosprit fahren können.
Noch mal Szenenwechsel: Letzten Monat stand es in der Getränkezeitung. Bier soll um 40% teurer werden. Der angestiegene Getreidepreis sei der Grund dafür, so die Verbände der Bierbrauer. Auch hier wird erneut mit der Preissteigerung eines einzelnen Rohstoffs Panik unter der Bevölkerung geschürt.
Fragen wir einmal nach, wie viel Gerste überhaupt in einer Flasche Bier drin ist. Rund 130g braucht man für 0,5 Liter. Das macht also bei den obigen Preisen für Getreide (Gerste ist etwas teurer) nicht einmal 2ct Gerste pro Flasche Bier aus. Unsere 40% Steigerung der Getreidepreise wegen politisch gewollter Energiesubventionen auf eine Flasche Bier umzulegen bedeutet also eine Erhöhung von nicht einmal 1ct pro Flasche Bier (inkl. 19% MwSt.).
Und unser Whisky? Für ihn gilt das selbe wie für unser Bier, unsere Milch und alles Andere auf dieser Welt. Nicht die Rohstoffe bzw. Zutaten machen ein Produkt teuer - nein es sind die Prozess-, Energie- und vor allem die Personal- und Kapitalkosten, die ein Produkt im Preis überproportional verteuern. Gut durchsetzen lassen sich dann Preiserhöhungen, wenn die Waren von wenigen Herstellern über wenige Handelsunternehmen in den Markt gebracht werden. Das nennt man ein Oligopol.
Und eben diese Oligopole sind wettbewerbstechnisch problematisch und die Wettbewerbshüter tun gut daran, auf diese Zusammenhänge ein besonderes Auge zu werfen.
Eins sollte Jedermann in unserem Land klar sein. Alle Rohstoffe werden billiger, da wir sie über unsere immer besser werdende Technologie leichter aus dem Boden bekommen oder besser anbauen bzw. herstellen können. Das gilt für Kohle, Öl, Gas, Uran, aber auch Getreide, Milch, Fleisch, Holz usw.
Was unser Leben verteuert sind die Menschen, die an der Verteilung beteiligt sind. Sei es über die Personalkosten der Arbeitnehmer und Manager oder über marktbeherrschende Stellungen der Unternehmen bzw. deren Kapitalgeber.
Wenn man mich über lausige Prozentzahlen und Stammtisch-Parolen aufs Glatteis führen will, dann reagiere ich allergisch. Die Steigerungsforderungen im ‘Double-Digit’ Bereich scheinen üblich zu werden. Ärzte (20%), Lokführer (30%), Hubschrauberpiloten (30%), u.s.w. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich in einem späteren Beitrag eingehen werde.
Wie wird die Preiserhöhungsrunde ausgehen? Wir werden es sehen. Ich tippe auf eine Verteuerung von rund 10 bis 20%, die nach einigen Wochen auf 5% abschmelzen wird. Trotz Oligopol funktioniert der Wettbewerb unserer Lebensmittelhändler. Die Discounter machen es möglich.
Am 3. August 2007 um 10:47 Uhr
Gute Analyse, stimmige Einschätzung! Lesenswert!
Am 5. August 2007 um 15:09 Uhr
$30 für einen Liter Milch ?…
Leute die mich kennen wissen, dass ohne einen Liter kalte Milch mit mir Morgens nichts anzufangen ist. Also habe ich mir hier im Wynn ein solides Frühstück aufs Zimmer kommen lassen. Die Rechnung wies $70 aus, was mir dann doch etwas hoch vor…